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Gibt es Tiere, die praktisch nicht altern?

Tiere der Welt
Datum 28 September 2026
kama

Das Altern scheint unvermeidlich zu sein. Mit zunehmendem Alter regenerieren sich unsere Zellen immer schlechter, das Risiko für Krankheiten steigt und der Körper verliert allmählich an Leistungsfähigkeit. Viele Jahre lang gingen Wissenschaftler davon aus, dass dies für alle Lebewesen gilt. Heute wissen wir, dass das nicht stimmt. In der Natur gibt es Arten, bei denen der Alterungsprozess außergewöhnlich langsam verläuft. Manche von ihnen können ihren Körper sogar mehrfach „verjüngen“. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie unsterblich sind. Die meisten von ihnen können weiterhin an Krankheiten, durch Fressfeinde oder infolge von Umweltveränderungen sterben. Biologen unterscheiden nämlich zwischen dem Tod durch äußere Ursachen und der biologischen Alterung, also der allmählichen Verschlechterung der Körperfunktionen mit zunehmendem Alter.

Das bekannteste Beispiel ist die kleine Qualle Turritopsis dohrnii, die häufig als „unsterbliche Qualle“ bezeichnet wird. Wenn sie verletzt wird oder sich unter ungünstigen Bedingungen befindet, kann sie ihre Entwicklung zurückdrehen. Anstatt zu sterben, verwandelt sie sich wieder in ein jüngeres Lebensstadium – einen Polypen – und entwickelt sich anschließend erneut zu einer ausgewachsenen Qualle. Dieser Vorgang wird als Transdifferenzierung von Zellen bezeichnet, da reife Zellen ihre Funktion verändern und neue Gewebe bilden. Theoretisch kann sich dieser Zyklus mehrfach wiederholen. In der Praxis sterben die meisten Quallen jedoch früher an Krankheiten oder werden von anderen Tieren gefressen. Deshalb sprechen Wissenschaftler nicht von echter Unsterblichkeit, sondern von einer außergewöhnlichen Fähigkeit zur Verjüngung des Organismus.

Ebenso faszinierend ist die Hydra, ein kleiner Süßwasserorganismus, der mit den Quallen verwandt ist. Langjährige Untersuchungen haben gezeigt, dass bei einigen Arten praktisch kein typischer Anstieg der Sterblichkeit mit zunehmendem Alter zu beobachten ist. Der Grund dafür ist, dass ihre Stammzellen das Gewebe während des gesamten Lebens kontinuierlich erneuern. Unter den Wirbeltieren zieht insbesondere der Nacktmull die Aufmerksamkeit der Wissenschaft auf sich. Dieses kleine Nagetier kann über 30 Jahre alt werden und lebt damit bis zu zehnmal länger als ähnlich große Mäuse. Außerdem erkrankt es nur sehr selten an Krebs und bleibt während eines Großteils seines Lebens körperlich leistungsfähig. Der Grönlandhai wiederum kann ein Alter von über 250 Jahren erreichen – einigen Studien zufolge möglicherweise sogar etwa 400 Jahre. Er gilt derzeit als das langlebigste bekannte Wirbeltier.

Warum altern diese Tiere anders als der Mensch? Die Antwort darauf ist noch nicht bekannt. Forscher untersuchen ihre DNA, die Art und Weise, wie sie beschädigte Zellen reparieren, die Funktionsweise ihrer Stammzellen sowie die Mechanismen, die sie vor Krebs schützen. Gerade durch die Erforschung von Nacktmullen, Hydren und Quallen entwickelt sich die moderne Biologie des Alterns weiter. Das Ziel besteht nicht darin, ein „Elixier der Unsterblichkeit“ zu erschaffen, sondern zu verstehen, warum manche Organismen sehr schnell altern, während andere über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte hinweg gesund und leistungsfähig bleiben können.

Die ehrlichste Antwort lautet daher: Ja, es gibt Tiere, die außergewöhnlich langsam altern oder über besondere Regenerationsfähigkeiten verfügen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie unsterblich sind. Die Natur zeigt uns vielmehr, dass das Altern kein einheitlicher, universeller Prozess ist. Die Evolution hat viele verschiedene Möglichkeiten hervorgebracht, mit dem Lauf der Zeit umzugehen. Vielleicht verbirgt sich gerade in diesen außergewöhnlichen Organismen ein Wissen, das den Menschen in Zukunft dabei helfen könnte, länger gesund und leistungsfähig zu bleiben.

kama
Hund